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Christiane Slawik

Fachjounalistin und Fotografin Ch. Slawik


"Christiane Slawik malt mit der Kamera, wie es sonst keiner vermag!"- so urteilen Fachleute über die bekannte Pferdefotografin.
Aber sie fotografiert nicht nur exklusive und individuelle Bilder für rund 40 internationale Verbände, Firmen, Kalender-, Fachverlage und –zeitschriften, sondern die Journalistin schreibt auch Bücher wie: „Tinker Ponys - Irlands coole Schecken" und "Schwere Jungs, das Comeback der Kaltblüter“.

Christiane Slawik hat sich mit Leib und Seele der Pferdefotografie verschrieben.
Sie beherrscht es wie kein anderer perfekt, das "Wesen Pferd" so gekonnt in Szene zu setzen, dass seine Kraft, Grazie, und Anmut auf wunderbare Weise zum Vorschein kommt. Aus Ihren ehemaligen Hobbys: Pferde, Fotografieren, Reisen, tierbegeisterte Menschen treffen, wurde ein Beruf, der in diesem Fall eine echte Berufung zu sein scheint.

Spezialrassen-Online im Gespräch mit Frau Slawik:

Christiane Slawik


S-O: Gibt es einen Fototermin, der Ihnen unvergessen blieb?
Ch. Slawik:
Einer meiner ersten. Während meines Studiums hatte ich das Bild eines Quarter Horses auf meine Mappe geklebt. Der Fuchs war mein absolutes Traumpferd und half mir mit seinem frechen Blick über manches Tief hinweg. Während eines Fernsehdrehs zum Thema Westernreiten auf der JOMM-Ranch zeigte man mir die Hengste und ich traute meine Augen nicht: Einer von ihnen war genau MEIN Kalenderpferd! Der zig-fache Europameister Desperado Malbecs entsprach in jedem Punkt meinen Träumen und es war schon toll, ihn fotografieren zu dürfen. Eines Morgens brachten wir ihn auf die kleine Hengstkoppel. Ich kauerte mich auf den oberen Zirkel und dachte, dass ich ihn im Hochformat erwische, wenn er um die Kurve kam. Das Kraftpaket galoppierte an und genau an dem Punkt, an dem ich ihn ablichtete setzte er zu einem gewaltigen Bocksprung an. Ich traute meinen Augen nicht und konnte nur hoffen, dass ich das Bild im richtigen Moment eingefangen hatte. Er fragte sich das wohl auch, denn der Hengst blieb stehen und schaute mich an. „Na, hast du´s?“ Schien er zu fragen. Ich lachte ihm zu, er galoppierte wieder an und zeigte genau auf der selben Stelle den selben Hupfer. Blieb danach stehen und schaute mich erneut an: „Na? Jetzt aber, oder!“ Dann schlenkerte er mit dem Kopf, ging in die dritte Runde, schenkte mir auch noch einen dritten Bocksprung und verschwand dann im Höchsttempo in einer Staubwolke ans andere Ende der Koppel. Ich hatte tatsächlich dreimal das selbe Bild: Ein kraftstrotzender Fuchs, Hochformat, genau im goldenen Schnitt, der aussah, als ob er einen Handstand machte! Das originelle Motiv zierte später ein Titelbild. Ich habe viele magische Momente mit Pferden erlebt und arbeitet gerade an einem Buch darüber. Diese ganz spezielle Begegnung mit meinem „Studienpferd“, wird aber stets einen ganz besonderen Stellenwert haben.

S-O: Wie sind Sie zur Pferdefotografie gekommen?
Ch. Slawik: Sobald ich mir einen Film vom Taschengeld leisten konnte, zog ich mit der Spiegelreflexkamera meines Vaters durch die Gegend. Im Kunst-Leistungskurs hatte ich ein Semester Fotografie und lernte dort die Arbeit in Dunkelkammer und Studio. Pferde fotografierte ich eigentlich erst während meines Studiums, denn ich brauchte Vorlagen für Auftragsbilder. Eine Freundin meinte dann irgendwann einmal, dass meine Fotos wie Postkarten aussähen und genauso gut wären, wie in den Zeitschriften. In der Zeitschrift „Traumpferde“ veröffentlichte ich dann die ersten Artikel: USA-Erfahrungen mit Pferden, Rasseportraits, Personality-Stories, Hintergrundberichte. Irgendwann wurden meine Fotos auch zur Illustration anderer Texte genutzt. Heute schreibe und fotografiere ich für über 40 Verlage von Moskau bis Dublin, in den USA und Kanada und für die Edition Boiselle.

S-O: Haben Sie weitere Berufe ausgeübt?
Ch. Slawik: Ich habe nach dem Studium beim Radio und 15 Jahre beim Fernsehen gearbeitet, moderiert, Filmproduktionen geleitet und auch Chefredaktion gemacht.
Später war ich Hauptschullehrerin. Zum einen, weil es mir deutlich mehr Zeit für Pferde ließ, zum anderen, weil mich die Arbeit mit den Kindern sehr ausgefüllt hat. Inzwischen herrscht dort aber ein etwas rauhes Klima und daher bin ich jetzt wieder freiberuflich tätig.

Christiane Slawik bei der Arbeit

Ungewöhnliche Bilder erfordern manchmal Mut ...

S-O: Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Fotografen aus?
Ch. Slawik: Digitale Technik hat es vielen Hobbyfotografen ermöglicht, unter hunderten von Versuchen kostengünstig auch mal einen guten Treffer zu landen. So einfach ist das für einen Profi aber nicht! Wirklich gute Fotografie ruht für mich auf vier Säulen: Man muss professionelles Handwerkszeug besitzen und die Technik voll und ganz beherrschen. Kein wirklich gutes Foto entsteht „auf Knopfdruck“, keines wurde mit einer Kameraautomatik ohne jedes manuelles Eingreifen aufgenommen. Investitionen von rund 20 000 Euro sind das absolute Minimum, um halbwegs gute Qualität abliefern zu können. Nach oben gibt’s da keine Grenze.Ich muss mich hervorragend in Pferdepsychologie und –verhalten auskennen. Ich kann bei einem Shooting genau vorhersagen, dass das Pferd noch drei Galoppsprünge macht, dann stehenbleibt und mich ansieht und darauf stelle ich mich dann ein. Daher benutze ich auch nie den Kameramotor, sondern löse jedes Bild einzeln aus. Genauso laufe ich durch einen Stall und weiß genau, bei welchem Hengst ich nicht riskieren kann, jemanden mit auf die Koppel zu nehmen. Für mich persönlich habe keine Bedenken, denn am Ende stehen alle Pferde immer irgendwie neben mir.Eine Portion Glück gehört natürlich auch mit dazu, aber man kann vieles organisieren und stellen, wenn man sich nur gut genug mit Pferden auskennt oder entsprechende Vorbereitung, Energie oder Engagement in ein Shooting investiert. Das alles kann viel aufwändiger werden, als man so denkt, aber von nichts kommt nichts!Diese ersten drei Säulen kann man sich noch irgendwie mit Geld oder Literatur aneignen. Das geht bei der vierten nur sehr bedingt.Das fotografische Auge ist von entscheidender Bedeutung. Gute Fotos sind ganz bewusst komponiert, beruhen auf einer Idee, auf der Kreativität des Fotografen. So etwas kann man nur begrenzt lernen. Entweder man hat es, oder man hat es nicht. Einfach nur „draufhalten“ ist gut genug für Erinnerungsbilder, aber DAS Pferdefoto erhält man dabei mit absoluter Sicherheit nicht. Viele meiner Kunden wundern sich, wie viele noch so winzige Details von mir bei einem Shooting beachtet werden, aber am Ende erkennen sie manchmal ihr eigenes Pferd oder den Hof nicht mehr.

Ich finde es bisweilen beschämend, welch schlechte Qualität in Bezug auf Fotografie und Motiv von machen Kollegen angeboten und von Kunden auch akzeptiert wird. Solche Leute sollten bedenken, dass sie damit den Markt für die kaputtmachen, die davon leben müssen! Da fehlt es einfach auch an genügender Selbstkritik. Alle Kunden wundern sich, wie viele in ihren Augen hervorragende Bilder von mir vernichtet werden. Auge halber zu? Position nicht optimal? Leichteste Unschärfen? Ungünstiger Bewegungsablauf? Zu tiefe Schatten? Alles weg! Das muss sein, ich will auf keinen Fall, dass mein Name mit einem nicht perfekten Bild in Verbindung gebracht wird.

S-O: Besitzen Sie selber Tiere?
Ch. Slawik: Nein, denn dazu habe ich sie zu gerne. Ich bin selten mehr als 8 Tage am Stück zu Hause. Wenn man Tieren gerecht werden will, muss man sie in einen festen Tagesablauf einbinden. Den kann ich bei meinem Job nicht garantieren, weil ich oft heute nicht weiß, wo ich morgen fotografieren werde und das kann auch in Ägypten oder Island sein! Ein Pferd würde mehr von einer Reitbeteiligung als von mir geritten werden. Selbst in Offenstallhaltung hat das Tier Recht auf eine Ansprache und Beschäftigung. Das kann ich einfach nicht täglich garantieren. Wenn ich unbedingt reiten will, kann ich das an vielen Stellen auf allen möglichen Rassen. Das selbe ist mit einem Hund: Mein Pudel-Schnauzer-Mix ist mit 15 Jahren gestorben und ich möchte es keinem Nachfolger mehr zumuten, ständig unterwegs zu sein. So ein Hund braucht ein festes zu Hause. Außerdem finde ich es nicht gut, eigene Hunde in fremde Ställe mitzubringen. Dort gibt es fast immer Hunde, in deren Territorium ich dann mit meinem eindringen würde und ihn am Ende oft nur im Auto sitzen lassen könnte. Das ist kein Leben für einen Hund.

S-O: Woher bekommen Sie Ihre Inspiration?
Ch. Slawik: Ich sehe ein Pferd und weiß sofort, wie ich es am besten „in Szene setzen kann“. Das sind zum einen Erfahrungswerte, zum anderen haben sie mit der Persönlichkeit und Ausstrahlung des jeweiligen Tieres und natürlich auch der Umgebung zu tun. Wir verladen aber auch und fahren ein paar Stunden, um die Tiere in eine geeignete Umgebung zu bringen. Wenn ich durch die Gegend fahre, sehe ich oft Locations, zu denen ich mir dann ein passendes Pferd organisiere. Tages- und Jahreszeit, Licht, Vegetation, Ausrüstung- alles muss dann eben bis zur Haarspange der Reiterin passend zusammengestellt werden. Gute Bilder entstehen nur ganz selten zufällig! Manchmal mache ich mir auch Sorgen, dass ich einen Unfall baue, weil ich eine schöne Ecke in der Landschaft entdecke und schon ein Bild samt Pferd dazu in meinem Kopf entsteht... .

S-O: Wie läuft eine Fotosession bei Ihnen ab?
Ch. Slawik: Ich versuche, einen geeigneten Tag mit gutem Licht zu erwischen. Das kann bei unseren Wetterlagen auch sehr kurzfristig sein. Vorher instruiere ich die Pferdebesitzer telefonisch ganz genau, was sie für sich und ihre Pferde vorzubereiten haben. Oft schließen sich fünf bis sechs Kunden zusammen, teilen sich meine Fahrtkosten und helfen sich gegenseitig mit ihren Pferden. Das ist der Idealfall! Für diese Stallgemeinschaften ist der Tag wie eine Art „Happening“, denn kaum jemand kann sich vorstellen, wieviel Arbeit und Zeit hinter wirklich guten Aufnahmen steckt. Natürlich macht es allen jede Menge Spaß, aber für mich ist es hoch konzentrierte, auch körperlich sehr harte Arbeit. Mit „ein bisschen herumknipsen“ ist es wirklich in keinem Fall getan! Nur ganz selten bleibt zwischendrin die Zeit für einen kleinen Schluck Kaffee. Je nach Kundenwunsch erstelle ich Aufstell-, Verkaufs-, Freilauf-, Reitbilder oder Portraits für privaten und kommerziellen Gebrauch. Meistens sind wir erst fertig, wenn auch das Licht verschwindet, denn oft schließen sich andere Pferdebesitzer, die „unser Treiben“ neugierig beobachten, spontan dem Shooting an. Dann sind wir meistens alle ziemlich geschafft, haben aber eine Riesenspaß, die Bilder im Laptop zu begutachten. Für mich sind die vielen Ahs und Oohs immer besondere Belohnung. Es zeigt mir, dass ich den Pferdebesitzern Freude bereitet habe. Wer so ein Gemeinschaftsshooting organisiert, bekommt natürlich auch eine kleine Belohnung von mir und meistens sieht man sich nach einem Jahr mit großem „Hallo“ wieder zur nächsten Session.

S-O: Gibt es fotogene und unfotogene Tiere?
Ch. Slawik: Nein, denn ein guter Fotograf erkennt sofort die „Schokoladenseite“ eines Modells, seine Eigenarten und Persönlichkeit, die auf dem Bild unbedingt zum Vorschein kommen müssen. Für dieses spezielle Know How bezahlt man ja einen Profi und das unterscheidet ihn auch von den vielen Amateurfotografen. Unvergessen ist für mich das Kompliment eines Kunden, der völlig gerührt vor den Bildern seines Kaltblutes saß und dann meinte, dass ich sein Pferd so abgebildet hätte, wie er es mit seinem Herzen sieht und nicht, wie es wirklich im Stall steht. Ich habe Respekt vor jeder einzelnen Kreatur und bin der Meinung, dass jeder Hund, jedes Pferd genau soviel Aufmerksamkeit und Bemühungen beim Fotografieren verdient, wie irgendeine Berühmtheit auf vier Beinen. Ihnen allen möchte ich mit meinen Bildern auch ein kleines Denkmal setzen. Es kostet halt eine Menge Arbeit, Zeit, Ideen und Energie aber am Ende ist jedes Pferd fotogen! Überraschender weise fotografieren sich übrigens manche Pferde, die offensichtlich besonders attraktiv wirken besonders schwierig! Gerade überlange Mähnen verdecken z.B. oft die Augen und wehen auf den meisten Bildern nie so, wie man sich das wünscht.

S-O: Gibt es Tage an denen Sie besser nicht zur Kamera greifen und warum?
Ch. Slawik: Ich fotografiere ungern wenn die Sonne nicht scheint. Dann kann ich nicht mit Licht „malen“, keine besondere Atmosphäre schaffen und die Arbeit macht nur halb so viel Spaß. Pferde irgendwie ablichten, das machen viele. Ich erwarte von mir ein anderes Niveau.

S-O: Welche Träume haben Sie noch?
Ch. Slawik:
Ich bin rundum glücklich und zufrieden. Außer Gesundheit gibt es absolut nichts, was ich mir wünsche!

S-O: Ein Wochenende mit einem bekannten "Pferdemenschen" - auf wen würde Ihre Wahl fallen und weshalb?
Ch. Slawik: Meine Arbeit bringt es mit sich, dass ich viele Tage mit den besten und/oder prominentesten Ausbildern der Welt zusammen verbringen kann. Ich liebe es, „hinter“ die Kulissen zu schauen, zu sehen, inwieweit sich Image und Wirklichkeit decken. Manchmal klaffen dazwischen erschreckende Lücken. Da muss man sich gut überlegen, ob man es sich leisten kann, eine „heilige Kuh“ mit ein paar Aufnahmen zu schlachten. Ich komme halt in so vielen Ställen herum, dass man dadurch eine andere Sicht der Dinge, einen anderen Überblick über Reitweisen, Ausrüstung oder Vorgehensweisen hat, als die meisten Besucher, Schüler oder Klienten. Wieder andere Promis/Trainer oder Reiter halten, was man sich von ihnen verspricht. Alle haben jedoch eines gemeinsam: Sie kochen nur mit Wasser und ihr Erfolg gründet sich vor allem darauf, dass sie Pferde wie Pferde und nicht wie Hunde, Kinder, Freunde usw. behandeln! Am beeindruckendsten sind wirklich große, einfühlsame und gebildete Reiter, wie Richard Hinrichs, Philip Karl, denen es nicht darum geht, mit Hilfe eines Pferdes irgendwelchen Ehrgeiz oder Eitelkeiten zu befriedigen oder wahre Künstler, wie die Brüder Pigon, die noch nie ein Leckerli verfüttert haben und ihre Pferde für sie doch völlig freiwillig die unglaublichsten Dinge tun. Mit Jean-Francois werde ich Anfang 2006 im Rahmen der Royal Horse Gala auf Tournee gehen und freue mich schon sehr darauf.

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Ein herzliches Dankeschön geht an die begnadete Fotografin Frau Christiane Slawik. Wir freuen uns, dass wir Sie interviewen durften!

Das Interview wurde geführt von: Tamara vom Spezialrassen-Online Team


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