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Manfred Schulze

Manfred Schulze: 17000 Kilometer in 4 1/2 Jahren

Spezialrassen-Online im Gespräch mit Manfred Schulze

Bereits 1996 wurde ich durch einen Artikel in der Zeitschrift Cavallo auf Manfred Schulze aufmerksam.

Er hatte sich eine gewaltige Aufgabe gestellt: Mit zwei Pferden wollte er die Welt umreiten. Von Deutschland, Polen, die Ukraine, Russland, Kasachstan, Sibirien, die Mongolei und China nach Süd-Korea. Danach die Überquerung des Pazifiks im Flugzeug und schließlich ein Ritt durch die USA von der West bis zur Ostküste. Vier Jahre später hatte Schulze es tatsächlich geschafft. Nach einem Flug über den Atlantik kehrte er über die Niederlande zurück nach Geisenheim.

Von April 1996 bis Oktober 2000 legte Schulze insgesamt 17.459 km zurück. 14.059 km davon reitend, 3.400 km liefen die Pferde vor dem Planwagen.

Cavallo berichtete über seine Reise die ganzen 4 Jahre lang. Natürlich waren die wirklichen Helden dieser Expedition die beiden Huzulen Panca und Puschkin. Manfred Schulze hatte sich für diese Pferderasse, wegen ihrer Härte und Genügsamkeit entschieden.

Am 7. Oktober 2000 kehrte Manfred Schulze in seine Heimatstadt Geisenheim zurück. Mehr als 1000 Menschen kamen um Manfred Schulze beim Einritt in die Stadt zu empfangen.

Hier traf ich dann Manfred Schulze persönlich und konnten ein kurzes Gespräch mit ihm führen. Ich war beeindruckt von seiner offenen Art und seiner inneren Ruhe und Zufriedenheit, die er trotz dieser Strapazen ausstrahlte. Gern hätte ich ein längeres Gespräch mit ihm geführt, aber dafür hatte er an diesem Tag einfach zu viele Verpflichtungen.

Lange Zeit blieb es dann ruhig um den Weltumreiter Schulze. Dann am 13. März 2005 bricht er, nach monatelanger Planung, diesmal nur mit Puschkin und Temujin, (Panca verstarb hier in Deutschland) vom Brandenburger Tor zu seinem zweiten Ritt auf. Schulze wird diesmal den Spuren Dschingis Khans bis nach Ulan-Bator, der Hauptstadt der Mongolei folgen.

Dort will er pünktlich im Juli 2006 zum Naadam Fest ankommen, wo sein Pferd Temujin bei dem berühmten Galopprennen antreten soll. Temujin wurde während Schulze’s Erdumrundung geboren. Seine Mutter ist die Huzulen Stute „Panca“ und sein Vater ein mongolischer Leithengst.

Das Fest sieht Schulze als weitere Gelegenheit, Aufmerksamkeit für seine Expedition zu erregen. Einmal auf einem Pferd um die Erde, das hat noch niemand gemacht, dachte er vor neun Jahren. Diesmal hatte er eine Mission. Mit seinem zweiten Ritt will der Geisenheimer den Straßenkindern der mongolischen Hauptstadt helfen und für Frieden zwischen den Religionen werben.

Im Gespräch

Spezialrassen-Online wollte ein wenig mehr über Manfred Schulze erfahren und stellte ihm ein paar Fragen:

S-O: Was waren Ihre Gründe, die zu Ihrer 1. Weltreise Reise geführt haben?
M.S.: Ein Traum aus der Jugendzeit: „ein Mann und sein Pferd auf zeitlich unbegrenzter Wanderschaft“. Aber auch Zivilisationsfrust nach jahrzehntelangem Überlebenskampf in der „Businesswelt“. Letztendlich die Sucht nach Freiheit.

S-O: Wieso mit Pferden?
M.S.: Meine Zuneigung zu Pferden erwachte bereits in meiner frühen Kindheit. Das Pferd verband ich unbewusst immer mit Freiheit und Natur, mit Freundschaft und Liebe. Mit einem (oder besser zwei) Pferden zu reisen hat so viel mehr als das Reisen mit einem mechanischen Fortbewegungsmittel, zudem nimmt es die Einsamkeit, wenn man lange Zeit alleine reist.


S-O: Wie haben Sie mit den Pferden geübt, um Kondition aufzubauen?
M.S.: Ich kaufte Panca und Puschkin drei Monate vor dem Start und trainierte bis zum Start fast täglich. Die eigentliche Kondition erreichten sie allerdings erst unterwegs. Dies gelang, weil ich die Länge der Tagesetappen den Pferden überließ und auch das Tempo. Feste Tagesziele kannten wir nie, ich hatte ja keinen ernsthaften Zeitplan. Nach und nach wurden aus anfangs zwanzig schließlich bis zu über 60 km pro Tag. Der Durchschnitt im zweiten Reisejahr von Wolgograd nach Ulaanbataar (6.145 km in fünf Monaten) lag bei 50 km und einem Rasttag pro Woche.


S-O: Was war Ihre schönste Erfahrung?
M.S.: Die schönste Erfahrung auf dieser Reise war die Geburt von Pancas Sohn Temujin in Kalifornien, obwohl ich eine solche Situation immer verhindern wollte, weil es mich ja aufhalten würde. Nicht weniger befriedigt hat mich die Erfahrung des Zusammenwachsens von Mensch und Tier, die Entwicklung gegenseitigen, fast unbegrenzten Vertrauens.


S-O: Wann hatten Sie die meiste Angst?
M.S.: Fünf Wochen lang musste ich in Süd-Korea um Puschkins Leben bangen, den man dort töten und verbrennen wollte, weil er angeblich den Arteriitis-Virus trug. Dies war die schlimmste Erfahrung, die mich heute noch, nunmehr sieben Jahre danach, zu Tränen rührt, wenn ich in meinen Lichtbilder-Vorträgen davon berichte.


S-O: Als Sie wieder nach Hause kamen, wie kamen sie mit dem Alltagsleben zurecht?
M.S.: Sehr schwer und dies liegt besonders daran, dass ich längere Zeit unter mongolischen Nomaden lebte. Noch in der Mongolei, kurz vor Erreichen Ulaanbataars traf ich auf einen deutschen „Rotelbus“. Das erwartungsvolle Kontaktaufnehmen gestaltete sich zu einem Schockerlebnis und ich dachte ernsthaft daran, nicht mehr in die „Zivilisation“ zurückzukehren. Ich tat es doch und wurde noch auf dem Weg nach Hause zur Überwinterung mehrmals geschockt. Noch heute fühle ich mich im europäischen, besonders im deutschen Alltag nicht recht wohl und deshalb zieht es mich wieder hinaus, nach der Mongolei ist die Sehnsucht besonders groß.


S-O: Sie sind bereits wieder gestartet zur „HEIMKEHR DES DSHINGIS KHAN“ und haben diese Reise den hilfebedürftigen Kindern von Ulaanbataars gewidmet. Glauben Sie, dass Sie mit Ihrem Ritt, den Straßenkinder Ulaanbataars helfen werden können?
M.S.: Ich hoffe es sehr, denn ich erlebte deren fürchterlichen Überlebenskampf. Zwar benötige ich zunächst für diese Reise selbst Hilfe, doch mit der Durchführung dieser Reise habe ich die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit breiter Bevölkerungsschichten auf die Not jener Kinder zu lenken, die ihre Nahrung aus dem Müll graben und selbst die harten Winter in Erdhöhlen verbringen müssen.


S-O: Wo befinden Sie sich gerade auf welcher Etappe.
M.S.: Nach gewaltigen Umwegen durch Osteuropa mussten wir die neue Expedition an der russischen Grenze Richtung Wolgograd unterbrechen, um zu Hause neue Veterinärpapiere zu bekommen.


S-O: Welche Etappe ist als nächstes geplant?
M.S:
Anfang März 2006 möchten wir zum Ausgangspunkt zurückkehren, um die Reise Richtung Seidenstraße fortzusetzen.


S-O: Wie geht es Temujin und Puschkin?
M.S.: Puschkin und Temujin geht es sehr gut, sie sind nach wie vor kerngesund. Die erste Etappe hat beiden sehr gut getan, das kann man deutlich sehen.


S-O: Haben Sie alles was Sie brauchen?
M.S: Ich möchte hier nicht jammern, dies bringt mir selbst ein ungutes Gefühl. Aber ich brauche neue Mittel und noch ein paar Ausrüstungsgegenstände. Die Odyssee der ersten Etappe hat wegen der vielen ungeplanten Grenzübergänge und anderer Schwierigkeiten eine Menge Geld gekostet. Deshalb bin ich dankbar für jeden Lichtbildervortrag, den ich in den Wintermonaten halten darf. Leider wissen zu wenige Menschen, dass ich wieder im Lande bin und zur Durchführung und Organisation benötige ich halt fremde Hilfe vor Ort.


S-O: Wann werden sie wieder zurück sein?
M.S.: Weil der Rückweg aus Ulaanbataar nicht nur reitend zurückgelegt wird, sondern wechselweise fahrend und reitend, hoffe ich, zum Ende des Jahres 2006 mit meinen Pferden wieder zurück in Deutschland zu sein.

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Beim Anblick der Straßenkinder in Ulaanbaatar hatte sich Manfred Schulze geschworen, eines Tages in dieses Land zurückzukehren, um etwas für diese Kinder zu tun. Doch allein kann er wenig ausrichten. Hierzu benötige er die Hilfe vieler Menschen.

Vielleicht kann ja der eine oder andere einen Lichtbildervortrag organisieren? Alles weitere findet ihr unter folgendem Link:

http://www.weltumreiter.de/Heute/heuteb2.htm

Natürlich hofft das Spezialrassen-Online Team, dass Manfred Schulze 2006 wieder gesund mit seinen Pferde in Deutschland ankommt. Und vielleicht ergibt sich ja endlich für mich persönlich die Gelegenheit, ein längeres Gespräch mit ihm zu führen.

Ellen vom Spezialrassen-Online Team

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