Rasseportrait Minipferd
Ein echter Araber in Miniatur:
"Vermilyea Farms Love Song", eine Zuchtstute der Miniaturpferdezucht Steinbrecher
DIE URSPRÜNGE
Erste Beweise über die Existenz von extrem kleinen Pferden entnehmen Wissenschaftler schon Höhlenmalereien, die auf das 8. Jh. v. Chr. datiert werden.
Die ersten geschriebenen Quellen über echte Miniaturpferde finden sich 1765 in Form zweier Zeitungsartikel, die im Gentlemen's Magazine in England erschienen. Sie beschreiben die Ankunft eines nur 76 cm großen Hengstes aus Bengal und einer nur 71 cm großen Stute aus Ostindien in England. Natürlich waren diese Tiere die Sensation schlechthin.
Miniaturpferde wurden wohl früher als Spielgefährten der Königskinder der europäischen Königshäuser gehalten und gezüchtet. Beweise finden sich dafür unter anderem in zwei Gemälden, die Historiker bisher finden konnten und die Kinder in königlichen Gewändern in Begleitung von sehr kleinen Pferden - nicht größer nämlich als der in einem Fall ebenso abgebildete Collie - zeigen. Diese Bilder werden auf das 19. Jahrhundert datiert.
ERSTE ZÜCHTERISCHE GEHVERSUCHE - VERSCHIEDENE EINFLÜSSE
Durch Umwandlung der Gesellschaftsstruktur und mit dem Niedergang der europäischen Monarchien starb die Rasse in Europa aber weitgehend aus und nur wenige Exemplare konnten zunächst nach Übersee, in die Vereinigten Staaten von Amerika, gerettet werden und wurden dort zur Veredelung der Shetlandponyzucht eingesetzt.
Die wirtschaftliche Notwendigkeit für die Zucht möglichst kleiner, aber robuster Pferde ergab sich aber erst nach 1847, nachdem das englische Parlament ein Gesetz erlassen hatte, das Kinderarbeit in Kohlebergwerken verbot. Die Nachfrage nach Shetlandponys stieg dadurch rapide an. Diese kleinen kräftigen Ponys stammen, wie der Name schon sagt, von den Shetland Inseln im Nordatlantik und zeichnen sich durch ihr langes, dichtes Fell, die kompakte Form und Robustheit aus, die ihnen überhaupt erst ein Leben im rauen Klima ihrer Heimat ermöglichten. Ursprünglich wurden diese Ponys nicht viel größer als 107 cm und obwohl heute beispielsweise in den USA eine Größe von bis zu 117 cm für diese Zucht erlaubt ist, werden in dem seit 1891 bestehenden Zuchtbuch Großbritanniens bis heute nur solche mit einem Stockmaß von 107 cm und kleiner eingetragen.
Die Pferdezüchter fanden schnell heraus, dass sie für ein kleines Shetlandpony oder Miniaturpferd in den meisten Fällen einen wesentlich höheren Preis erzielen konnten, als für ein Großpferd und so entstand ein regelrechter Boom, der sich auch alsbald auf die USA ausweitete.
Die namhaften Miniaturpferdezüchter Eli Elliot, Moorman Field und Smith McCoy setzten Meilensteine in der nordamerikanischen Miniaturpferdezucht. Letzterer wurde hauptsächlich dadurch bekannt, dass in seiner 200köpfigen Miniaturpferdeherde kein einziges größer als 81 cm gewesen sein soll, aber auch durch seine öffentliche Auseinandersetzung mit der Falabella-Familie aus Argentinien in den 1960ern.
Auch wenn McCoy offenbar sehr wenig für Falabella-Ponys übrig hatte, sind auch diese, neben dem Hackney Pony und den importierten letzten Exemplaren echter und ursprünglicher Miniaturpferde aus den europäischen Königshäusern, zur Veredelung der Shetlandpony-Blutlinien und damit zur amerikanischen Miniaturpferdezucht herangezogen worden.
Die Falabellas (Argentinische Miniaturpferde) stammen ursprünglich aus Argentinien und gingen aus der Kreuzung zwischen Andalusiern, Shetland Ponys, Welsh Ponys, Vollblütern und Criollos hervor. Dabei wurde die Rasse konsequent klein gezüchtet, während die Großpferdeproportionen - in diesem Falle vergleichbar mit dem Quarter Horse - beibehalten werden sollten. Falabellas werden durchschnittlich 28.5" groß und kommen in allen Farben vor. Benannt wurde die Zucht nach der Begründerfamilie bzw. dem Herausgeber des ersten Zuchtbuches 1940, Julio C. Falabella.
Das Hackney Pony wurde ab dem 19. Jahrhundert in Großbritannien gezüchtet. Es handelt sich dabei um extrem feingliedrige Ponys, die hauptsächlich als Fahrponys eingesetzt werden. Wegen ihres überdurchschnittlichen Bewegungsablaufes, v.a. im Trab, und ihrem stolzen Erscheinungsbild werden sie auch die "Aristokraten des Show-Rings" genannt. Diese Rasse hat sich aus der Kreuzung der Norfolktraber mit Vollblütern und Welsh Ponys entwickelt. Es werden von der 1883 gegründeten Englisch Hackney Horse Society Ponys bis zu einer Größe 144 cm registriert.
DIE ZUCHTVERBÄNDE
Ab 1960 war deutlich der Trend vieler Farmer erkennbar, sich voll und ganz auf die Zucht von Miniaturpferden zu spezialisieren. Viele von ihnen begannen oder erweiterten ihren Genpool mit Pferdchen aus der Smith-McCoy-Zucht, die 1967 endgültig aufgelöst wurde. Mit der Smith-McCoy-Zucht fand das bisher eher unbekannte Miniaturpferd auch endlich nationale Anerkennung in den USA. Den 76 cm kleinen Gründerhengst Freeman's Star, der als Vater des ersten eingetragenen Amerikanischen Miniaturpferdes gilt, zog sein Besitzer Alton Freeman mit Pferdchen, die er von McCoy erworben hatte.
Um 1960 konnte mit dem neuen Boom der Miniaturpferdezucht allerdings auch beobachtet werden, dass die Preise, die mit den kleinen Pferdchen erzielt werden konnten, viele Züchter jegliche Moral und Ethik vergessen ließen: massive Inzucht und Zucht mit Pferden, die Missbildungen in Form des Zwergenwuchses aufwiesen waren die Folgen. Daher war recht schnell klar, dass ein Zuchtbuch mit genauen Vorgaben geschaffen werden musste, um den Erhalt der Rasse in qualitativ hohem Standard zu garantieren.
Das AMHR (American Miniature Horse Registry) wurde zu diesen Zwecken als Unterorganisation des amerikanischen Shetlandponyregisters ASCP (American Shetland Pony Club) 1971 ins Leben gerufen. Das erste AMHR-registrierte Miniaturpferd war Moody's Mini Pony Tony, in der ersten Ausgabe des Zuchtbuches waren insgesamt 209 Pferde eingetragen. Das AMHR hat bis heute Bestand und registriert Pferde mit einem Stockmaß von 86 cm und kleiner in der A-Kategorie und bis zu 97 cm in der B-Kategorie.
Die AMHA (American Miniature Horse Association) wurde von Leon Blair, Michele Jones, Charles F. Palmer und B.V. Thompson jr. offiziell am 28. Juli 1978 in Texas als Gegenorganisation zur AMHR gegründet. Die Gründe hierfür liegen nahe: Die Aufnahmebedingungen für Ponys oder Miniaturpferde in die AMHR waren und sind ausgesprochen lasch, jedes Shetlandpony, das zufällig kleiner als 97 cm geblieben war, konnte sich gleichzeitig auch Miniaturpferd nennen. Das rührte v.a. daher, dass ja die AMHR lediglich eine Unterorganisation der ASCP war. Die Miniaturpferdezüchter fühlten sich von ihrer eigenen Organisation nicht ernst genommen, da diese sich kaum um ihre Belange kümmerte und das AMHR hauptsächlich als lukrative Einnahmequelle.
Dies wurde mit der AMHA deutlich anders, die es schaffte, innerhalb weniger Jahrzehnte das Amerikanische Miniaturpferd weltweit bekannt zu machen und mit strikten Aufnahmebedingungen und Zuchtvorgaben einen qualitativ hochwertigen Zuchtbestand zu erhalten und zu sichern.
Bisher vereint die AMHA 12 000 Züchter aus 30 unterschiedlichen Ländern und hat momentan ca. 155 000 Miniaturpferde in ihrem Zuchtbuch eingetragen.
Heutzutage ist es generell nicht mehr möglich ein Pferd in die AMHA aufnehmen zu lassen, wenn nicht auch beide Elternteile registriert sind. Um Missbrauch des Registers auszuschließen, wird in den meisten Fällen auch ein DNA- oder Bluttest durchgeführt. Die AMHA registriert zudem nur Miniaturpferde, die bei Vollendung des fünften Lebensjahres unter der Höchstmarke von 86 cm geblieben sind. Bis zu ihrem fünften Geburtstag erhalten die Pferdchen daher nur vorläufige Papiere. Sollte ein Pferd irgendwann im Laufe seines Lebens größer als 86 cm werden, verlieren die Papiere per definitionem (selbst wenn das Pferd schon dauerhaft eingetragen sein sollte) sofort ihre Gültigkeit.
ZURÜCK IN DIE HEIMAT - MINIS KOMMEN NACH DEUTSCHLAND
Amerikanische Miniaturpferde wurden zum ersten Mal 1976 aus den USA nach Europa importiert. Damals waren sie die Attraktion schlechthin auf der Equitana in Essen. Allerdings konnten diese Pferdchen nicht als Amerikanische Miniaturpferde, sondern nur als Minishetland eingetragen werden, da zu der Zeit in Deutschland kein entsprechendes Register vorhanden war.
Obwohl in Frankreich, Belgien, Dänemark und Großbritannien schon seit mehreren Jahren gezüchtet wird, konnte die Rasse in Deutschland erst vor kurzem endgültig Fuß fassen.
Offiziell gibt es jetzt die Amerikanischen Miniaturpferde seit der Rassenshow „Pferde der Welt“ 2003 (Eging am See, Bayern). Hier wurden nämlich die Stuten der Miniaturpferdezucht Steinbrecher in das Stutbuch des Bayerischen Zuchtverbands für Spezialpferderassen e.V. eingetragen. Dabei erreichte die Schimmelstute Bozemans Q Tons Grey Girl von den dort vorgestellten Stuten aller Spezialpferderassen die höchste Wertnote für die Stutbucheintragung. Sie setzte sich gegen fast hundert Großpferde durch - die meisten gut doppelt so groß wie sie selbst - und wurde von den Richtern zur Reservesiegerin der Show ernannt.
Im September 2003 setzte die Miniaturpferdezucht Steinbrecher einen weiteren Meilenstein in der Anerkennung dieser Rasse in Deutschland: Ihr Zuchthengst AF Ivy Toro wurde - als erster Hengst dieser Rasse im deutschsprachigen Raum – vom Zuchtverband für Spezialpferderassen Bayern e.V. gekört und in das Hengstbuch I eingetragen.
Und das ist wohl erst der Anfang des Siegeszuges der Amerikanischen Miniaturpferde in Deutschland, wie wir ihn bereits in vielen Ländern dieser Welt USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Belgien, Holland, Dänemark, Frankreich usw. mitverfolgen konnten.
WAS GENAU IST EIN AMERIKANISCHES MINIATURPFERD UND WOFÜR IST ES GUT?
Ein Amerikanisches Miniaturpferd ist ein Großpferd in Miniatur. Es soll die selben Proportionen und den selben Charakter wie seine großen Verwandten aufweisen und dabei nicht größer als höchstens 86 cm werden. Amerikanische Miniaturpferde sind weder mit Shetlandpony, noch mit Falabella vergleichbar, sondern eine eigenständige Rasse. Es gibt sie in allen Farben und Typen, besonders erwünscht ist aber der feingliedrige Arabertyp.
Wegen seines liebenswerten und menschenbezogenen Charakters und seiner geringen Größe ist das Amerikanische Miniaturpferd das optimale Familienpferd. Besonders niedlich sind natürlich die Fohlen, die bei der Geburt nur etwa 50 cm groß sind. Manch ein Miniaturpferdebesitzer konnte der Versuchung nicht widerstehen, so ein kleines Fohlen auf den Arm zu nehmen wie ein Baby und es in den Schlaf zu schaukeln.
Viele Pferdeliebhaber, die auch Großpferde besitzen, wollen, dass ihre Kinder auch die Liebe zu diesen wunderbaren Tieren entdecken können und dass sie lernen, Pferde zu pflegen und zu reiten – und kaufen ihnen deshalb ein Miniaturpferd, lange, bevor die Kleinen in der Lage wären, selbst mit dem bravsten und geduldigsten Großpferd umgehen zu können.
Nicht wenige Miniaturpferde sind zudem sehr talentierte Fahrpferde und können mit Leichtigkeit einen Gig oder leichten Zweiachser mit bis zu zwei Personen und sogar mehr ziehen. Dabei können sie besonders gut ihren Arbeitseifer beweisen und ihr z.T. bemerkenswertes Gangwerk zeigen, auf das viele Züchter besonders achten.
Für ältere Menschen ist das Miniaturpferd ein wunderbarer Ersatz für ein Großpferd, dem sie sich möglicherweise physisch nicht mehr gewachsen fühlen.
Auch als Therapiepferde konnten Minipferde erstaunliche Erfolge erzielen, was auf ihre ausgesprochene Menschenbezogenheit zurückzuführen ist.
In Regionen, wo das Miniaturpferd als Rasse schon etwas etablierter ist, werden auch große Turniere angeboten, bei denen sich die Pferde in Halterklassen nicht nur anhand der Kriterien des Rassestandards aneinander messen, sondern auch in unterschiedlichen Spring- und Fahrprüfungen.
Julia Bauer
Cornelia Steinbrecher
AMHA-lizensierte Miniaturpferderichterin
http://www.minipferd.de












